Siro – der Gratena Nero aus Arezzo

14. April 2012 von Uli, Italien, Keine Kommentare

Der erste Schluck des Siro kommt sehr samtig daher. Trotz seiner – und das muss man mal vorab stellen 15% – schmeckt er nicht übertrieben alkoholisch. Der Siro von der Fattoria di Gratena aus der Toskana verbirgt eine eigentümliche Geschichte. Aber langsam der Reihe nach…

Beppone war in den 1970er Jahren der letzte Pächter einer kleinen Parzelle in Fattoria di Gratena in Arezzo, einem netten Städtchen im nördlichen Teil der Toskana. Die Trauben der von Beppone gehegten Parzelle waren dunkel, fast Tintenfarben, sehr süß und trotzdem drei Wochen eher reif als der Sangiovese von anderen Parzellen in Arezzo. Zudem sahen die Blätter gar nicht so nach Sangiovese aus, vielmehr ähnelten sie dem Cabernet oder Merlot.

Verwendet wurde die geringe Ernte hauptsächlich als Färbertraube bis man lange Jahre nach Beppones Tod – bevor sich Fabio de Ambrogi der Winzer der Fattoria di Gratena an die Rodung der alten Weinstöcke aus den 40er Jahren machen wollte – beschloss einen Wein aus dieser seltsame Rebe zu keltern.

Das Ergebnis einer ersten Probe aus dem Weinballon war schlichtweg eine Katastrophe: Dunkel, zu tanninreich, nach Teer schmeckend. Doch wie im Märchen präsentierte sich im Frühjahr ein reinrassiger Wein.
Mittels Aufpfropfen wurden die wenigen verbliebenden Reben von Beppone vervielfältigt und einer genetischen Prüfung in der Universität Mailand unterzogen. Das überraschende Ergebnis brachte zu Tage, dass es keine genetische verwandten Reben gab und so erhielt der Wein von Beppone ganz offiziell die Bezeichung „Graetana Nero“.

Wir haben in der Verkostung einen 2008 gekelterten Graetana Nero im Glas. Direkt nach dem Öffnen offenbart er pflaumiges Aroma mit erdigen, leicht metallischen Noten. Dabei ist der Siro sehr sehr körperreich.

Die ersten Schlückchen sind schon ein sehr tanninreiches Abenteuer und hinterlassen ein leicht adstringierendes Gefühl auf der Zunge. Aber was tut man nicht alles für die Erkundung eines neuen Genpools. Im Abgang treten die 15% Alkoholgehalt schon deutlich hervor.

Später am Abend nach dem unser Graetano Nero reichlich Luft ziehen durfte, haben wir einen würzigen tiefdunklen Wein  mit purpurn Reflexen im Glas.  Und die wenigen verbliebenen ledrigen Anklänge passen sehr gut zu diesem bäuerlichen Wein. Ausgezeichnet ist die tief versteckte Süße, die sich langsam auf der Zunge entfaltet. Leider ist der Abgang zu kurz und kräftig.

Siro Fattoria di Gratena

TypRotwein
Jahrgang2008
LandItalien
RegionToskana
Rebsorte(n)Gratena Nero
VerschlussNaturkork
Alkohol15 %
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