Saint-Emilion Masterclass im Restaurant Maibeck, Köln

16. November 2018 von Frank, Frankreich, Kommentare deaktiviert für Saint-Emilion Masterclass im Restaurant Maibeck, Köln

Am Donnerstag war ich zu Gast im Maibeck in Köln. Ein schnuckelig, kleines Restaurant mit einer hervorragenden Küche und Top Service. Wer dort mal sehr gut essen gehen will, sollte unbedingt reservieren, da die Plätze sehr begehrt sind.

Geladen hat der Somelier-Consult zur Saint Emilion Masterclass Grands Crus Classes 12x Right Bank moderiert von Sebastian Bordthäuser, den wir schon von der Tejo Wein Tour vom letzten Jahr her kennen. Kompetent und charmant führte Sebastian durch den Nachmittag. Vier Flights standen an, allesamt Grand Cru Classé aus den unterschiedlichen Regionen von Saint-Emilion, Jahrgang 2014. Mir gegenüber saß der Weinkaiser, der sein Glas so stark schwenkte, das ich schon übles befürchtete. Zum Glück ist aber nichts passiert. Zu den Weinen habe ich nur kurze Notizen gemacht. Es ging doch alles sehr schnell, da auch noch einige Winzer vor Ort waren.

Flight one
Château Sansonnet
Nase: Dunkelbeerig, phenolisch. Gaumen: frische Säure. Finale: Cremig mit Schmelz. Tannin noch ruppig. Schlankes Finale mit Pfeffernote.
Von 7 ha Lehm/Kalksteinboden. Kühl vergoren, danach 16 Monate Barrique.

Château Laroze
Nase: Leichtere Phenolik. Gaumen: weniger Druck als der Vorgänger, Vanille. Finale: Gute Länge mit etwas Paprika.
27 ha, Lehm über Kalkstein, teilweise Neuholz.

Château Haut-Sarpe
Nase: weicher als der Vorgänger. Gaumen: Dunkle und rote Früchte, etwas härteres Tannin. Finale: Sehr gute Länge. Top.
21 ha, davon 12 ha in neuen Fässern. Diese Vanillenoten kann ich kaum noch ertragen. Hier sind sie zum Glück nicht dominierend.

Flight two
Château Saint-Georges Côte Pavie
Nase: Würzig mit erdigen Noten und etwas Alkohol. Gaumen: Dunkle Frucht, Tannine schon gut geschliffen, aber noch nicht am Ende. Finale: Sehr gute Länge mit viel Schmelz. Steht ewig am Gaumen. Vollreifer, klassischer Stil. Gefällt mir bisher am Besten.
Genossenschft, 5,5 ha, Kalkstein mit Lehmauflage.
Château Fleur Cardinale
Sehr fruchtig mit milden Tanninen und einer guten Länge. Eher moderne, fast amerikanische Stilistik.
Aus dem Stahltank, 12 Monate Neuholz. Gut, aber Pavie hat mir besser gefallen.
Château De Ferrand
Mehr Frucht und festeres Tannin als Cardinale. Rassig, frisch und momentan noch nicht voll zugänglich.

Flight three
Château De Pressac
Nase: Würzige Tiefe mit etwas mehr Phenol als Ferrand. Gaumen: Fruchtig, fast fett und kräftig. Sehr würzig und weich. Elegant mit reifer Paprika. Gefällt mir gut. 42 ha, Kalkstein mit Lehmauflage und Kiesel.
Château La Tour Figeac
Klassisch, vollmundig und feingliedrig. Tolle Textur mit viel Frucht und etwas neues Holz.
Château Jean Faure
Gut, Gut, Gut. Geiler Stoff.
ByoDyn seit 1997

Flight four
Château Chauvin
Schöne, tiefe Nase. Leider wieder Neuholz-Vanille.
Château Corbin
Hier mal etwas Minze mit viel Würze. Schon etwas astringierend. Den würd ich heute gern nochmal probieren. Interessanter Wein aus der Nähe zum Pomerol.
Château Yon-Figeac
Hier hab ich nichts geschrieben. Ich war wohl vom Weinkaiser abgelenkt. Ich hab den nur mit „gut“ markiert.

Ein grossartiger Nachmittag mit grossartigen Weinen. Zum Finale gab es sehr schmackhaften Grünkohl mit Kartoffelstampf und Fleisch (Kalb glaub ich). Als das Tasting vorbei war musste ich mit Schrecken feststellen, das am Kölner Hbf das Verkehrschaos ausgebrochen war. Kein Zug fuhr ins Ruhrgebiet und ich war gezwungen mit der S-Bahn nach Essen zu fahren. Das hat ewig gedauert und zum Glück hatte ich bis zu Hause den Geschmack von Sait-Georges auf den Zähnen, den hatte ich mir noch kurz gegönnt bevor ich das Restaurant Maibeck verließ.

Im Nachhinein würde ich mir wünschen, die Weine heute nochmal nachverkosten zu dürfen. Die kamen ja alle direkt aus der Flasche und hatten kaum Zeit zu atmen. Heute könnte man die Feinheiten in der Haptik deutlicher spüren.

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