Kleine Weinrunde – Chardonnay aus Deutschland und den USA

12. Juli 2016 von Lee Markham, Deutschland ,USA, Keine Kommentare

Am letzten Wochenende hatten wir eine kleine Chardonny-Runde mit deutschen und amerikanischen Weinen. Zusätzlich gab es noch einen italienischen und einem französischen Chardonnay, um das Gesamtbild etwas abzurunden. Gestarten haben wir den Abend mit einem Roten BDX. Danach kamen alle Weine blind aus dem Kühlschrank.

weinding-chardonnay-runde

Ch. Leoville-Barton 2002

(St. Julien, BDX, FR)

Der erste Wein präsentiert sich mit würziger Frucht. Pflaume, ein bisschen Waldbeere, aber sonst keine weiteren Fruchtnoten, dafür aber mit einer wunderbaren Struktur und Gewürzaromen. Ganz weit vorne war Leder, Tabak und ein wenig Teer. Sehr gelungener Bordeaux aus einem unterschätzten Jahrgang – mit 2002 Bordeaux habe ich immer gute Erfahrungen gemacht – die Weine sind jetzt trinkreif und kosten im Vergleich deutlich weniger als die Jahrgänge die danach und davor kamen.

Schug Sonoma Coast Chardonnay 2012

(Sonoma, CA, US)

Leider kam der Schug in dieser Probe nicht auf seine Kosten. Die andere Weine waren halt Barriquebomben und der Schug geht mehr in diese Burgundische Richtung, also Holz ja, aber nicht im Vordergrund. Dezent, mild, ein wenig Melone aber sonst echt knackig. Da wir blind probiert haben, dachte ich er wäre der Chat Sauvage da ein Rheingau-ähnliches Gewürzstruktur vorhanden war. Ich freue mich den Wein nochmal probieren zu können ohne Barrique-Riesen davor und danach.

Kendall-Jackson Vintner’s Reserve Chardonnay 2014

(Sonoma, CA, US)

Unheimlich frisch wirkte der Kendall-Jackson. Dezentes Holz, in der Frucht Zitrus, tropische Früchte aber auch Chardonnay-typische BSA-Noten, sogar ein bisschen zu milchig. Aromen von Passionsfrucht-Joghurt sind ganz interessant, aber irgendwann störend und ein wenig anstrengend.

Rocca di Castagnoli Molino delle Balze Chardonnay 2007

(Toskana, IT)

Beeindruckend war dieser Chardonnay. Am Anfang hätte ich schwören können, dass der aus dem USA stammt. Fettes Holz, fette Früchte und viel Körper. Beim Nachverkosten hat er aber schwer abgebaut, so schwer sogar, dass er am Ende des Abends platt wirkte. Den haben wir wahrscheinlich zu spät aufgemacht. Vor zwei, drei Jahren war der bestimmt ganz spannend.

Meßmer Burrweiler Schlossgarten Chardonnay Barrique 2010

(Pfalz, DE)

Ich habe erwartet, dass dieser Wein gewinnt. Ich war fast überzeugt, dass ich ihn rausschmecken würde, aber leider nein. Trotzdem hat er positiv beeindruckt. Viel Holz und dadurch viel Vanille mit Eiscreme-Noten neben vollreifen Früchten wie Banane, aber auch Cassis. Langanhaltend und nachhaltig voll. Sehr gelungener Wein aber nicht der Sieger des Abends.

Chat Sauvage ‚Clos de Schulz‘ Chardonnay 2013

(Rheingau, DE)

Wer bekloppt genug ist im Rheingau Chardonnay anzubauen, muss es wenigstens gut machen und bei Chat Sauvage haben Sie es drauf. Unten den deutschen war der am einfachsten zu trinken. Dezent und schlank. Burgund als Vorbild mit gut eingebundenem Holz und knackig-frisch mit einem Hauch von grünen Früchten. Viel zu früh aufgemacht, aber der wird noch ganz groß. Als Rheingau-Riesling-Leibhaber muss ich jetzt leider zugeben, dass Chardonnay aus der Region auch klappt und wie…

Bernhard Huber Chardonnay Barrique 2010

(Baden, DE)

Der zweitbester Wein des Abends. Neben die Barrique-Powerhouses wirkte er leider dünn am Anfang, aber, wobei die meisten anderen Weine deutliche abgebaut haben, hat er immer mehr dazubekommen. Zwischendurch mit Riesling durchgespült, kam der Badischer Wein immer gut an. Holz und Alkohol ideal in den Wein eingebaut, so richtig, richtig gut. Gelbe Früchte und eine frische Zitrus Note. Genau deshalb gefallen mir die Huber Weine immer. Großes Vorbild sind die Chardonnays aus Kalifornien und Burgund, aber doch irgendwie ganz anders. Gekonnt und gewollt ,beeindruckend klassisch, aber auch sehr deutsch.

Schafer Red Shoulder Ranch Chardonnay 2010

(Napa, CA, US)

Siegertyp. Trinkfluss und Schmelz. Hier geht nicht mehr. Viel Holz, viel Butter, viel Frucht – genial. Der Mustang unter den Weinen. Ob der was mit „feine Weine“ zu tun hat lässt sich diskutieren, aber Spaß macht er ohne Ende und schließlich ist Wein dafür da: Zum saufen und genießen. Alkohol und Holz, trotz Stärke, super eingebunden. Genau das was wir uns vorgestellt haben unter der Motto „Chardonnay aus Deutschland und den USA“.

Allendorf Berg Roseneck Riesling GG 2014

(Rheingau, DE)

Holz-Chardonnay ist irgendwann ein bisschen anstrengend und wir wollten dann auch etwas anderes zwischendurch probieren. Ich habe diesen junge Rheingauer aus dem Keller geholt. Er braucht noch Zeit, aber macht jetzt schon Spaß. Schlank, sauber und knochentrocken – Rheingau pur: Granit, Quartz, Eisen, Pfeffer aber auch eine angenehme Fruchtmischung: Zitrus ohne Ende am Anfang und dann reifer Apfel und Quitte.

Ein toller Abend mit vielen sinnlichen Eindrücken der uns den Chardonnay wieder etwas näher gebracht hat, auch wenn am Ende doch noch der Riesling auf dem Tisch musste.

LandDeutschland, USA
Tags, , , , , , , , ,


Beitrag kommentieren

Sie müssen registriert sein, um einen Kommentar zu schreiben.