Englischer Wein

20. Juni 2016 von Lee Markham, England, Kommentare deaktiviert für Englischer Wein

Also, fangen wir einfach sofort an: die stille Weine kann man vergessen. Nach gefühlt 200 verschiedene Sorten schmecken mir keine stille Weine aus England – wirklich: ob Bacchus, Seyval Blanc, Rondo, Dornfelder, Dunkelfelder, Solera oder wie auch immer: die Weine sind einfach schlecht….nein, sie sind trinkbar. Aber trinkbar braucht kein Mensch: höchstens Patrioten, aber selbst dann hört der Spaß auf: hätte ich 10 Pfund für Wein in der Tasche kann ich mich kaum ein schlechtere Preis-Leistungs Verhältnis vorstellen wie ein englischer Wein damit zu kaufen.

13483158_10153489450835806_1838106974081960968_oNur im Schaumwein Bereich ist England spannend und spannend ist nicht übertrieben. Wobei alles noch ganz jung ist, passiert etwas und die Weine werden immer besser. Es gefällt mir nicht, dass manche Weingüter Champagne-Klonen anbieten wollen aber…. ganz ehrlich, welche Region macht das nicht? Franciacorta, teilweise Deutschland, alles im Überseebereich und jetzt auch noch die Engländer.

Obwohl ich die Nyetimber Weine sehr mag, finde ich es schade, dass sie nach einem großen Vorbild produziert werden was unschlagbar ist: englische Schaumweine werden NIE so gut schmecken wie die Weine aus der Champagne. Sie werden auch NIE so erfolgreich sein können: die Champagne selbst ist eine Marke, wenn man guten Schaumwein trinkt… dann halt Champagner. Ja, auch hier in Deutschland gibt es verdammt gute Sekte und auch in Italien, den USA, Spanien und anderswo in Frankreich schmecken die Weine, aber die Weingüter und Weinhäuser der Champagner können es einfach besser.

Dieses Vorbild ist also für mich unverständlich. Wenn England auch großartige Weine anbieten möchte, sollen sie wenigstens ein eigenen Stil besitzen.

13428586_10153489445575806_3610280828721261887_nDas machen aber auch mehrere Häuser Mittelwelle: Chapel Down und Camel Valley arbeiten mit diverse Rebsorten: sie sind nicht fixiert auf die drei die man auch in Frankreich benutzt: hier kommen die „Nordtrauben“ im Einsatz: Reichensteiner, Bacchus, Seyval Blanc, Huxelrebe, Rieslaner aber auch etwas etablierter Sorten wie Chardonnay, Meunier, Pinot Blanc und, teilweise auch, Pinot Noir.

Diese sogenannte „Methode Anglaise“ finde ich sehr interessant. Dazu muss man ja auch sagen, dass die Nyetimber, Ridgeview und Gusbourne Weine (noch) besser schmecken aber bahnbrechend sind sie nicht.

Die Engländer haben neben ein großartiger Nachbarland andere Probleme.

Die Vollreife schaffen Sie nicht in England – da ist es dort einfach zu kalt – die Vollreife ist aber auch in Reims, Epernay und co. auch selten: dort produziert kaum einer Stille Weine – die stille Weine sind umheimlich teuer und ebenfalls unheimlich enttäuschend: das sind Terroirweine für Weinfreaks: nichts für Weintrinker.

13445589_10153489445900806_36799258969217107_nAlso Schaumwein ist die Zukunft und diese Zukunft ist spannend aber da müssen die englische Weingüter auf ein englischer Stil arbeiten oder, wie auch in der Champagne üblich ist, einen Hausstil.

Denn, wenn ich zwischen Bollinger oder Nyetimber entscheiden muss, entscheide ich mich für das Originalprodukt…vor allem wenn ich keine Preis- oder Qualitätsvorteile habe.

Habt ihr Erfahrungen mit Sekt aus England? Wenn ja, welcher und was habt ihr davon gehalten?

 

LandEngland
Tags, , , , , , , , , , , , ,


Kommentare geschlossen.